Wie Du einen drohenden Streit in Sekunden abwenden kannst

Wie Du einen drohenden Streit in Sekunden abwenden kannst

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Wer mich richtig auf die Palme bringt, ist mein Mann. Und ich kann auch erklären, warum das so ist. Es sind nämlich die Menschen, die uns am meisten am Herzen liegen, von denen wir Zurückweisung, Nichtannahme oder Unverständnis am wenigsten ertragen können, gerade weil sie uns so nahe sind.

Letzten Samstag war mein Mann einkaufen. Das war sehr nett von ihm, denn dadurch konnte ich Liegengebliebenes aufarbeiten und hatte noch etwas Zeit für mich. Doch was bringt er von seiner Shoppingtour mit? Normale Nudeln aus Hartweizen. Ich habe versucht, es ruhig und unemotional auszudrücken und ich wollte auch kein Scheissesandwich* draus machen, aber ich bekam nicht mal den Ansatz von Reue von ihm, im Gegenteil. Er fühlte sich total im Recht und war sogar noch stolz darauf, alles gefunden zu haben.

*Der Begriff stammt aus dem Coaching, genauer gesagt von der Feedback-Kultur und bezeichnet einen Versuch Kritik möglichst positiv einzubinden. Das soll funktionieren, indem man einer negativen Botschaft etwas Gutes vorausschickt, dann seine Missbilligung äußert und mit etwas Positivem abschließt. Die Kritik wird also möglichst schmackhaft eingepackt. Wenn das aber misslingt, sind auch die leckeren Brotscheiben versaut.

Wer mich kennt, also Freunde, Kolleginnen oder die Familie, weiß ganz genau: Stefanie verträgt keine Hartweizennudeln. Eine Zeitlang dachte meine Ärztin, ich hätte eine Glutenunverträglichkeit, aber wie sich rausstellte vertrage ich Vollkornnudeln und fast jede Brotsorte nur eben keine Hartweizennudeln. Und mein Mann, mein Ehemann, der müsste das doch auch mitbekommen haben.

Spätestens seit unserem Sommerurlaub in Griechenland, im Robinsonclub Kyllini Beach. Wir waren da zu einer Yogawoche und es war einfach nur megaschön. Einmal in der Woche gibt es in solchen Clubs ein Galadinner und ich hatte mich so gefreut, denn die Farben für den Abend waren Blau-Weiß und ich hatte endlich eine Gelegenheit mein „Griechische-Göttinnen-Kleid“ anzuziehen. Am Buffet an diesem Abend gab es dann auch noch Trüffeltortellini. Bei Trüffeln werde ich schwach und ich gebe zu, da hatte ich auch vergessen, dass Tortellini in der Regel ja nichts anderes sind, als gefüllte Hartweizennudeln. Die Konsequenzen ließen leider nicht lange auf sich warten und anstatt den Abend auf der Tanzfläche zu verbringen, war ich nur froh mein Wärmekissen und die homöopathischen Notfallkügelchen eingepackt zu haben. Der Abend war für uns gelaufen und dem Feuerwerk haben wir nur noch vom Zimmer aus zugesehen.

Wie Unachtsamkeit Deine Beziehung zerstört

Aber zurück zu letztem Samstag und dem drohenden Streit. Mein Mann fragte von unterwegs per WhatsApp, was er noch mitbringen solle. Ich freute mich über die Möglichkeit und schrieb schnell zwischen zwei Telefonaten: „Vollkorn Spaghetti und Penne Rigate, Edeka Eigenmarke.“

Laut John Gottmann gibt es Verhaltensweisen, die Konflikte eskalieren lassen und damit auf Dauer eine Beziehung ruinieren, die vier plus eins „apokalyptischen Reiter“. Diese sind destruktive Kritik, Verteidigung, Verachtung, Mauern bzw. Rückzug und – neu dazugekommen – Machtdemonstration.

Nachdem ich mir also anhören musste, dass da auch nur Vollkorn Spaghetti in meiner Nachricht stand, wenn man es genau liest, die er schließlich gekauft habe und nur die Penne aus Hartweizen waren, dafür aber Edeka Eigenmarke, war ich sauer. Ich empfand meinen Partner als unachtsam und irgendwie auch respektlos. Zudem ist das schon einmal passiert! Der Pack liegt jetzt seit einigen Monaten im Vorratsschrank. Damals war sein Kommentar: „Die esse ich“.

Analytisch betrachtet würde ich seine Aussage als eine klassische Verteidigung einstufen. Wahrscheinlich als Reaktion auf meine Beschwerde, die er als Kritik gewertet hatte, da meine Fähigkeit sich in Dinge reinzusteigern gerade in solchen Situationen äußerst kontraproduktiv ist.

Ich höre mich herumzetern und in dieser aufgeheizten Konstellation nun passierte etwas Besonderes: Mein Mann schaut mich an und fragt: „Keine Minute länger?“ Und dann mussten wir beide herzhaft lachen.

Gottmans Schiebetür-Momente

Eins der besten Mittel, um Streits im Keim zu ersticken, beschreibt Gottmann in seinem Buch: „Die Vermessung der Liebe“ als Schiebetür-Momente. Als mein Mann in dieser Situation zu einem Insider griff, bot er mir die Möglichkeit darauf einzugehen und die Tür zu öffnen. Ich fing an zu lachen, weil ich die Situation von damals vor Augen hatte.

Wir waren uns nach einem anstrengenden Wochenende auf der Heimfahrt kurz vor Berlin so uneins, dass ich von ihm verlangte, bei der nächsten Gelegenheit abzufahren und anzuhalten. Das war nur leider ein kleiner, unsauberer Parkplatz, der schon fast voll war mit lauter Trucks. Wir schrien uns an und ich brüllte, keine Minute länger bleibe ich mit einem Mann, der so denkt, in einem Auto… Ich bin natürlich doch geblieben. In solchen Momenten ist an mir eine Südländerin mit feurigem Temperament verloren gegangen und das wiederum liebt mein Mann in andern Situationen heiß und innig 😉

Warum Streit nicht das Ende sein muss

Sich häufig zu streiten ist also viel weniger ein Indiz für eine zukunftslose Beziehung, wie man landläufig annehmen würde. Vielmehr können Beziehungsforscher aus unserem Verhalten miteinander und aus unserer Zu- bzw. Abgewandheit gegenüber dem Partner eine sichere Prognose zum Fortbestehen einer Partnerschaft schließen.

Kennt Ihr solche Schiebetür-Momente und wie sind sie ausgegangen? Habt Ihr Insider und Lust die Geschichten dahinter, kurz zu umreißen? Nutz dafür gern die Kommentarfunktion.

Beziehungskrise Kommunikation Streit

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